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Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität betrifft ca. 16 % der Weltbevölkerung und der Tiere. Die Betreffenden nehmen Reize detaillierter auf als andere bzw. deren ...

Donnerstag, 15. Juni 2023

Hochsensibel im Privatleben

Ebenso wie im Berufsleben ist eine geschickte Positionierung der hochsensiblen Persönlichkeit im Privatleben ratsam. Freundschaftliche wie romantische Beziehungen erfordern ein Gegenüber, welches in der Lage ist, ein gewisses Maß an Verständnis und Akzeptanz der Thematik Hochsensibilität mit einzubringen.

Reichardt beschreibt den im Grunde alltäglichen Vorgang des Einkaufen Gehens für viele als „Stress pur“ (Reichardt, 2016, S. 132). Tatsächlich werden bei diesem Vorgang bereits durch Produktplatzierung und Werbung alle Sinne beansprucht, insbesondere Hören, Sehen und Riechen. Der Supermarkt birgt eine Vielzahl potentieller Geräuschquellen, Eindrücken und auch Verlockungen. Zieht man nun noch hinzu, dass Hochsensible wie im Rahmen dieser Arbeit bereits erwähnt zu Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung neigen, so erscheint der Einkauf bereits deutlich komplexer. Auch kommen ethische Fragen wie beispielsweise die Wahl der Eiermarke auf Basis politisch vertretbarer Tierhaltung oder spezifischem Gemüseanbau hinzu. Findet der Einkauf nun noch zu einer Uhrzeit statt, in der auch viele andere Menschen einkaufen gehen und der Supermarkt dementsprechend belebt ist, so kann der Einkauf im Falle eines hochsensiblen Kunden zur Sinnesüberreizung führen.

Reichardt schlägt in Bezug auf das Beispiel Einkaufen außerdem das Ausweichen auf Einrichtungsfachhandel, Gartencenter und Buchgeschäfte vor, da diese häufig weniger Hektik und Geräuschkulisse aufweisen. Auch rät sie dazu, beim Einkaufen, jedoch auch generell bei der Freizeitgestaltung, möglichst den eigenen Neigungen nachzugehen, da hierbei häufig die Freude über den Stress siegt (vgl. Reichardt, 2016, S. 145).

An dieser Stelle wird auch deutlich, dass die Bewusstheit seitens des hochsensiblen Menschen über seine eigene Veranlagung sehr hilfreich sein kann, da er auf dieser Grundlage mit seinen privaten Kontakten in Kommunikation gehen und diese über seine Empfindungen und Bedürfnisse aufklären kann.

Ein praxisnahes Beispiel wäre ein gemeinsamer Besuch eines Einkaufszentrums: Vorherige Absprachen, beispielsweise darüber, dass sich der Hochsensible angstfrei darüber äußern und zurückziehen darf, wenn er sich vor Ort angesichts der Menschenmengen, Gerüche, Beleuchtung und Entscheidungsoptionen an der Grenze zur Reizüberflutung empfindet, wären hier eine mögliche, konstruktive Option. Es sei hierbei auch erwähnt, dass die Gestaltung einer privaten Freizeitaktivität bereits bei der Wahl des geeigneten Verkehrsmittels, Tageszeit sowie Begleitung beginnt. Auch ein Nein sollte vom Gegenüber des hochsensiblen Menschen als konstruktiv, nicht als Beziehungstöter angesehen werden.

Reichardt schlägt in Bezug auf Freizeitgestaltung generell vor, möglichst den eigenen Neigungen nachzugehen, da hierbei häufig die Freude über den Stress siegt (vgl. Reichardt, 2016, S. 145).

Das Thema Liebe wiederum bietet für sich allein betrachtet einen unerschöpflichen Quell an Stoff für Literatur, Film und Musik, und das bereits seit hunderten von Jahren. Das ist auch bei Hochsensiblen nicht anders, oder möglicherweise noch vermehrt aufgrund von deren verstärkter, emotionaler Wahrnehmung und intensiver Fantasiewelt. Hinzu kommt bei vielen die Neigung zum intensiven Abwägen von Szenarios und nicht zuletzt die immens ausgeprägte Empathie. Aus eigener persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es mitunter nicht so einfach ist, mit einer hochsensiblen Person eine Liebesbeziehung zu führen (damit bin ich selbst gemeint). 

Allerdings möchte ich damit keineswegs implizieren, Normalsensible oder Untersensible hätten es in der Liebe leichter 😉 Jeder hat sein Päckchen zu tragen, denn wenn ein/e Partner/in nicht ausreichend sensibel veranlagt ist, um die Bedürfnisse und inneren Konflikte des Gegenübers (oder in sich selbst) zu erkennen, so wird sich allein aufgrund dessen so mancher Konflikt entwickeln. Aber gut, Konflikte sind etwas Positives, daran wachsen wir - sofern unsere gemeinsame Basis solide genug ist, um sie tragen zu können.

Eine rein persönliche Beobachtung ist dennoch, dass Liebesbeziehungen zwischen Hochsensiblen in der Regel mehr Potential zum Bestand haben als nennen wir es mal "Misch-Beziehungen". Mithilfe des jeweils eigenen Einfühlungsvermögens und der Bewusstheit darüber, was Emotionen in der Beziehungslandschaft bewirken können (positiv wie negativ), lässt sich gemeinsam eine solide Basis für eine Partnerschaft, reich an Erleben und natürlichem Auf und Ab, gestalten. Aber dies soll selbstverständlich niemanden daran hindern, es auch mal mit einem Normalsensiblen oder Untersensiblen zu versuchen 😇

Sehen Sie dies anders? Kein Problem - schreiben Sie es sehr gerne in die Kommentarsektion!

Verwendete Quellen:

  • Reichardt, E. (2016). Hochsensibel. Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potential entfalten. München: Südwest.

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