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Hochsensibilität betrifft ca. 16 % der Weltbevölkerung und der Tiere. Die Betreffenden nehmen Reize detaillierter auf als andere bzw. deren ...

Donnerstag, 18. Mai 2023

Hochsensibel innerhalb der postmodernen Gesellschaft

Im Rahmen der heutigen Gesellschaft leben wir intensiv. So mancher von uns versucht sich täglich im Berufsleben zu beweisen, sich insbesondere seit der Kommerzialisierung des Internets bestmöglich auf sozialen Medien zu präsentieren, sich selbst durch sportliche Leistung und bewusste Ernährung zu optimieren, klare politische Stellung zu beziehen und nimmt sich zum Ziel, seinen Kindern die bestmögliche Erziehung und Bildung angedeihen zu lassen.

In eine solche Gesellschaft, die – metaphorisch gesprochen – eher darwinistisch geprägt ist, scheinen die typischen Eigenschaften von hochsensiblen Menschen (abgekürzt: HSM) nur bedingt hineinzupassen. Der Informations- und Forschungsbund Hochsensibilität beschreibt beispielweise aufgrund der erhöhten Leistung des zentralen Nervensystems eine begrenzte Dauer der erträglichen Wahrnehmung bzw. einen früher eintretenden Bedarf an vegetativer Beruhigung und Regeneration. Von außen betrachtet kann dies für das Umfeld als wenig belastbar interpretiert werden, denn vermutlich wird die vorangegangene kognitive Mehrleistung des HSM nicht anerkannt. Ein HSM jedoch kann sich in einer solchen Situation der Überstimulation überfordert fühlen, gereizt oder aggressiv reagieren und mitunter sogar körperliche Schmerzen empfinden oder auch zum Rückzug neigen. Dies wiederum kann durch das Umfeld als ungesellig, snobistisch, unhöflich oder gar eigenbrötlerisch gewertet werden. Somit scheint der HSM den Ansprüchen der Gesellschaft in Bezug auf Kraft, Stärke und Durchsetzungsvermögen gegenüberzustehen. Eine negative Bewertung der hochsensiblen Persönlichkeit durch das Außen im Sinne von „zu empfindlich“ oder gar „bedingt gesellschaftsfähig“ ist schnell verhängt. Aus dieser Tendenz kann sich für den einzelnen HSM eine Reaktionsspirale aus sozialem Rückzug, sich unverstanden fühlen sowie Vereinsamung und Depression entwickeln (vgl. Informations- und Forschungsbund Hochsensibilität, 2011, S. 2-3).

Der Rückschluss des hochsensiblen Menschen, es sei mit ihm etwas „nicht in Ordnung“, ist jedoch eine Annahme, welche sich nicht nur wenig konstruktiv auswirkt, sondern klar widerlegbar ist, da im Zuge der Forschung inzwischen festgestellt werden konnte, dass Hochsensibilität „eine Veranlagung der Persönlichkeit ist und keine Krankheit“ (Harke, 2019, S. 18).

Verwendete Quellen:

  • Harke, S. (2019). Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet. Die 100 häufigsten Fragen und Antworten (5. Ausg.). Schneckenlohe: Vanova.

  • Informations- und Forschungsbund Hochsensibilität e. V. (17. April 2011). Von hochsensibilitaet.com: <https://www.hochsensibel.org/dokumente/Broschuere.pdf> abgerufen