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Was ist Hochsensibilität?

Hochsensibilität betrifft ca. 16 % der Weltbevölkerung und der Tiere. Die Betreffenden nehmen Reize detaillierter auf als andere bzw. deren ...

Donnerstag, 13. April 2023

Hochsensibel im Berufsleben

Zur Selbstpositionierung eines hochsensiblen Menschen (abgekürzt: HSM) innerhalb der postmodernen Berufswelt schreibt Repkowsky: „Hochsensibilität ist keine Schwäche, die zu einer Stärke gemacht werden muss, sondern eine Gabe, die bereits kraftvoll genug ist“ (Repkowsky, 2020, S. 1). Dem möchte sich der Verfasser der vorliegenden Arbeit anschließen.

Die vorliegende Arbeit hat allerdings bisher auch aufgezeigt, dass eine hochsensible Begabung Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringt. Sicher liegen deren Bewertung im Auge des Betrachters, jedoch liegt es nahe, die Vorteile nutzbar zu machen, während die Tragweite der Nachteile minimiert wird, der HSM sich also dementsprechend beruflich so positioniert, dass dies bestmöglich gewährleistet ist.

Tatsächlich spielte Hochsensibilität bereits in früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte, wenn auch unbewusst, eine Rolle bei der Berufswahl. Typische Berufsbilder waren Berater am königlichen Hofe oder auch Priester. Auch in Betrachtung der postmodernen Gesellschaft ist die Abwägung ratsam, welche Berufsbilder sich als passend erweisen können, und welche nicht.

An dieser Stelle sei hervorgehoben, dass auch HSM in ihrem Wesen grundsätzlich verschiedenartig sind und somit der ideale Beruf für HSM so nicht existiert. Vielmehr ist der individuelle HSM gehalten, seine, für ihn passende Nische zu suchen. Darüber hinaus sei erwähnt, dass es Sondertypen unter HSM gibt, wie z. B. den Synästhetiker (vgl. Reichardt, 2016, S. 116), den „Scanner“ (Harke, 2019, S. 81) oder den "High Sensation Seeker" (vgl. Reichardt, 2016, S. 81). Ebenfalls spielt mit ein, ob der HSM eher eine intro- oder eher extravertierte Persönlichkeit ist. Auf eine nähere Charakterisierung dieser Typen kann aufgrund der Größenvorgabe der vorliegenden Arbeit nicht näher eingegangen werden.

Daher bezieht sich der Verfasser als erste Richtungsweisung auf einige Quellen, die zumindest bestimmte, als typisch geltende Berufsbilder beschreiben, welche sich für HSM eignen sollen.

Ein Beispiel hierfür sind Berufe, in denen Kreativität ein Plus ist. Hierzu zählt der Architekt oder Künstler wie (Berufs-)Musiker, Koch, Hair-Stylist oder Florist. Das HSM-typisch hohe Maß an Empathie und die Gabe zu detaillierter Risikoabwägung befähigt ihn zum Ergreifen eines Arzt- oder Pflegeberufes oder einer psycho- oder physiotherapeutischen Tätigkeit. Auch Maschinen, insbesondere elektronisch komplexe Systeme, erfordern ein hohes Maß dieser Eigenschaften, weshalb Berufsbilder innerhalb der IT-Branche oder auch im Ingenieurwesen in Erwägung gezogen werden können sowie möglicherweise der Bereich Spekulation und Risikoanalyse im Bankwesen. Genauigkeit, Perfektionismus und erhöhter IQ legen eine Tätigkeit in der Wissenschaft bzw. Forschung und Lehre nahe.

An dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig die Eigenschaften von HSM für die Berufswelt der postmodernen Gesellschaft noch immer sind. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob eben diese Berufe von Normal- oder Untersensiblen Menschen in ebensolcher Qualität ausgeübt werden könn(t)en. Denn welche Gesellschaft wünscht sich schon weniger feinfühlige Ärzte, weniger kreative Schriftsteller, oder gar weniger exakte Ingenieure?

Im Gegenzug sollte der HSM abwägen, inwieweit er der einhergehenden Belastung des jeweiligen Berufsbildes standhalten kann, da, wie vorab bereits erwähnt, ein HSM aufgrund seiner neurologischen „Mehrarbeit“ zu einer begrenzten Aufnahmespanne bzw. abrupter Reizüberflutung neigen kann. Mit eingeschlossen sind hierbei Situationen, in denen es typischerweise zu derartigen Reizüberflutungen kommen kann wie Menschenansammlungen, laute Geräuschkulisse, intensive Geruchsbelastung, enge Abgabetermine oder Konkurrenzdruck.

Parallel dazu ist es für HSM empfehlenswert, sich im Rahmen des Berufslebens in Bezug auf Selbstfürsorge gut zu organisieren. Dies schließt das Einhalten von Pausen, pünktliche Feierabende sowie das Eingrenzen des Arbeitsaufkommens mit ein. Entspannungsrituale und wohl-tuender Ausgleich im Rahmen des Privatlebens sind für eine ausgeglichene Work-Life-Balance ebenso essentiell. Auch der Aufwand und die Gestaltung des Arbeitsweges können eine Rolle spielen sowie die Arbeitsbedingungen vor Ort wie Beleuchtung, Hintergrundgeräusche, z. B. Radio oder Telefongespräche von Kollegen sowie ergonomische Einrichtung.

Ein weiterer potentieller Stressfaktor kann Kontrolle durch Vorgesetzte oder Kollegen sein. Viele HSM stehen laut Reichardt ungern auf eine solche Weise im Mittelpunkt und reagieren auf Kontrolle dementsprechend mit Nervosität. Auch hier kann offene Kommunikation hilfreich sein: Reichardt gibt an, dass es legitim ist, die Sinnhaftigkeit der Kontrolle infrage zu stellen. Als Kompromiss kann vorgeschlagen werden, die Kontrolle direkt im Anschluss an die Fertigstellung der Arbeit erfolgen zu lassen, im Gegensatz zu währenddessen (vgl. Reichardt, 2016, S. 169).

Eine weitere Herausforderung kann darin bestehen, die eigene, vorab erwähnte Neigung zum Perfektionismus zu relativieren. Gelingt dies nicht, so droht letztendlich möglicherweise sogar ein Burn-Out (vgl. Reichardt, 2016, S. 168).

Verwendete Quellen:

  • Harke, S. (2019). Hochsensibel ist mehr als zartbesaitet. Die 100 häufigsten Fragen und Antworten (5. Ausg.). Schneckenlohe: Vanova.
  • Reichardt, E. (2016). Hochsensibel. Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches Potential entfalten. München: Südwest.
  • Repkowsky, M. (2020). Hochsensibel und glücklich. Das kleine Buch für große Herzen. Wie du achtsamer leben, deine inneren Stärken aufbauen, deine Resilienz steigern & Stress bewältigen kannst. Kein Ort: Independently published.