Mitunter mag einem Teilnehmenden an einer Gruppe anfangs noch nicht klar sein, warum sie/er sich einer Gruppe angeschlossen hat. Auch ist es möglich, dass sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass sich die Erwartungen und Vorstellungen des Einzelnen nicht mit den Möglichkeiten der Gruppe decken. Im Zuge dessen kann es gemäß Berg-Peer hilfreich sein, die Ziele einer Gruppe im Vorfeld klar zu kommunizieren. Sie benennt folgende Ziele
- Gegenseitiger Trost, Verständnis und Unterstützung
- Austausch über Handlungsmöglichkeiten, zusätzliche Angebote wie spezialisierte Psychotherapeuten
- Informationen über Fachthemen
- Organisation von politischer Einflussnahme
- Antistigma-Arbeit.
Hierbei ist ein Zusammenwirken der Gruppenteilnehmer wünschenswert, da die Gruppenziele im Interesse der gesamten Gruppe liegen sollten. Somit wird letztendlich die Gruppe entscheiden, welche Ziele beschlossen und verfolgt werden. Diese können dann schriftlich fixiert und gegebenenfalls im Raum ausgehängt werden. Gleichzeitig sollten sie jedoch nicht in Stein gemeißelt, sondern vielmehr in regelmäßigen Abständen auf ihre Notwendigkeit überprüft und bei Bedarf nachverhandelt werden dürfen.
Ein weiterer, möglicher Aspekt der Zielsetzung sollte die Stärkung von Selbstvertrauen, Resilienz und Empowerment sein, da viele hochsensible Menschen (abgekürzt: HSM) in verschiedener Weise Ablehnungs- und Entwertungserfahrung gemacht haben. Aufgrund der Größenlimitierung der Arbeit kann an dieser Stelle allerdings nicht näher auf grundsätzliche sowie im Besonderen zu beachtende Aspekte von Resilienz und Empowerment eingegangen werden.
In ähnlicher Weise wie Gruppenziele sollten auch Gruppenregeln angelegt werden. Berg-Peer legt die Einbeziehung folgender Aspekte nahe, welche hier auszugsweise aufgeführt werden
- Vertraulichkeit
- Verbindlichkeit
- Eigenverantwortung
- Problemlösungsorientierung
- Rücksichtsvoll miteinander umgehen
- Alle Teilnehmenden integrieren
- Vorschläge statt Ratschläge
- Möglichst nicht unterbrechen
- Keine Monologe oder Exklusivdialoge
- Nur einer sollte reden
- Unbehagen darf respektvoll geäußert werden
- Jeder trägt zum Gruppenerfolg bei
- Akzeptanz
- Respekt.
Im Hinblick auf die Zielgruppe sollte an dieser Stelle noch hinzugefügt werden, dass Taktgefühl sowie das „Gleichheitsprinzip“ (Haller & Gräser, 2021, S. 20) überaus wichtige Aspekte sind. Bewertung, gar Abwertung ist den Teilnehmenden im Rahmen ihres Alltags vermutlich bereits hinreichend bekannt. Um ein angstfreies Mitteilen innerhalb des Gruppenrahmens zu gewährleisten, ist ein weich gebettetes Aufnehmen des Geäußerten essentiell, damit sich die bereits gemachte Außenerfahrung nicht wiederholt.
Verwendete Quellen:
Berg-Peer, J. (2016). Moderation von Selbsthilfegruppen. Downloadmaterial. Abgerufen am 14. März 2023 von Psychiatrie-Verlag.de: https://psychiatrie-verlag.de/wp-content/uploads/2019/04/651_Downloadmaterial.pdf
Berg-Peer, J. (2016). Moderation von Selbsthilfegruppen. Ein Leitfaden (Bd. Psychosoziale Arbeitshilfen 33). Köln: Psychiatrie-Verlag.