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Freitag, 29. September 2023

Biografiearbeit

Viele von uns Menschen mit hochsensiblem Erleben haben in ihrem bisherigen Leben so manche Narbe davongetragen. Es ist ganzheitlich betrachtet wenig sinnvoll, so zu tun, als wäre nichts gewesen, auch wenn uns das vielleicht lieber sein mag. 

Biografiearbeit ist eine Methode, Einstellungen zu sich selbst und zum eigenen Erleben sowie zur Sicht der Dinge an die Oberfläche zu holen. Sie wird häufig heutzutage in vielerlei Bereichen der Arbeit mit Menschen eingesetzt - in der Sozialen Arbeit, in der Arbeit mit Senioren, mit an Demenz Erkrankten sowie einfach auch mit Menschen, die gerne etwas mehr über sich selbst herausfinden möchten.

Somit ist Biografiearbeit "zum einen die Beschäftigung jedes einzelnen Menschen mit der eigenen Biografie, als der persönlichen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Zum anderen werden unter 'Biografischen Arbeiten' besondere Angebote und Handlungsweisen in der Erwachsenen- und Altenbildung, in Beratung und Seelsorge verstanden" (Auer et al., 2020, S.13). Somit ist Biografiearbeit ein Werkzeug der Selbsterfahrung, der Aufarbeitung und der Selbstwirksamkeit.

Aber warum das Ganze? Um zu verstehen, wer wir sind, kann es sehr hilfreich sein zu erfahren, wer wir waren. Dies wiederum stärkt die Resilienz und das Selbstwertgefühl, da wir uns auf diese Weise vor Augen führen können, was wir alles schon erlebt und vor allem bewältigt haben. Somit können wir uns schlussendlich besser selbst annehmen und respektieren.

Generell lässt sich empfehlen, Biografiearbeit eher schriftlich festzuhalten, frei nach dem Motto: Wer schreibt, der bleibt. Möglicherweise haben Sie bereits in der Schule festgestellt, sich Dinge besser merken zu können, sobald Sie sie niedergeschrieben haben - einen Spickzettel zur nächsten Klassenarbeit schreiben hilft beim Erinnern, obwohl man ihn nie wirklich "eingesetzt" hätte. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass  Memorisieren kognitiv betrachtet davon abhängt, als wie wichtig wir unserem Gehirn die zu erinnernde Information suggerieren. Wenn ich diese Information nur höre, so ist sie flüchtig und potentiell entsprechend schnell wieder vergessen. Schreibe ich die Information jedoch nieder, so gehen die Signale von meinem Gehirn über die Schulter, in den Arm, die Hand und wieder zurück ins Gehirn, da das Auge ja noch mitliest und somit sogar noch der Sehsinn involviert ist.

Schreiben Sie Ihre Biografiearbeit also gerne stets nieder, vielleicht nur in Stichpunkten und selbst, wenn Sie sie nie wieder lesen sollten - es lohnt sich dennoch.

Hier einige Beispiele, die man gerne auch spontan quasi jederorts ausprobieren kann:


1.  "Mein Name"

Ihren Familiennamen konnten Sie sich vermutlich nicht aussuchen, Ihre Eltern konnten dies allerdings ebenso wenig. Was jedoch sehr bewusst ausgesucht wurde, ist Ihr Vorname. Für gewöhnlich wird er so früh vergeben, dass die eigenen Eltern diese Aufgabe übernehmen. Die Übung "Mein Name" zielt darauf ab, herauszufinden, in wie weit Ihr Vorname Einfluss auf Ihre Identitätsfindung gehabt hat, oder möglicherweise noch immer hat, und damit auch auf Ihre Biografie. 

Gehen Sie in Gedanken zurück in Ihre Kindheit und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was bedeutet mein Vorname in verschiedenen Sprachen? (Googeln ist erlaubt)
  • Wie habe ich meinen Vornamen als kleines Kind empfunden? Habe ich mich gerne so nennen lassen? Habe ich einen Spitznamen oder einen anderen Rufnamen bevorzugt, und wenn ja, warum?
  • Wie habe ich mich im Laufe meiner bisherigen Lebensspanne mit meinem, mir von meinen Eltern verliehenen Vornamen arrangiert?
  • Wie war/ist meine emotionale Haltung gegenüber meinem Vornamen in der Vergangenheit, wie in der Gegenwart, und wie glaube ich, wird sie in Zukunft sein?

2.  "Ein Foto für meine Biografie"

Eine ebenfalls recht simple und leicht umsetzbare Übung ist die Arbeit mit Fotos. Schauen Sie sich die acht unten stehenden Bilder an und wählen Sie das Bild aus, dass Sie im ersten Augenblick am meisten anspricht. Anschließend stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Was sagt mir dieses Bild?
  • Welchen Titel gebe ich diesem Bild?
  • Warum hat mich dieses Bild spontan angesprochen?
  • In wie weit symbolisiert dieses Bild mein bisheriges, gegenwärtiges und zukünftiges Leben?

Überlegen Sie bei all dem nicht zu lange - je spontaner Sie antworten, desto näher liegen Sie am emotionalen Erleben Ihrer rechten, kreativen Gehirnhälfte. Je länger Sie darüber nachdenken, desto mehr kontrolliert Ihre linke, rationale und digitale Gehirnhälfte Ihr Urteilsvermögen in dieser Fragestellung. Und dies ist bei Biografiearbeit nicht sehr förderlich.

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Verwendete Quellen:

  • Auer, H. et al. (2020): 77 Impulse und Methoden Biografiearbeit. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.

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